Sei ein Fremder auf dieser Welt

Muslim überliefert über al-Mustaurid ibn Shadad, dass Rasulullah sws. sagte: „Das Diesseits ist in Bezug auf das Jenseits, wie wenn jemand von euch seinen Finger ins Meer taucht. Er soll doch beachten, was da an seinem Finger hängen bleibt.“

Das ist das Gleichnis des Diesseits als solches. In der Realität kann das Vergängliche überhaupt nicht mit dem Unvergänglichen verglichen werden. Es ist nur eine schlichte Annäherung des für den Menschen noch abstrakten Jenseits. Deshalb sagte er: „Er soll doch beachten, was da an seinem Finger hängen bleibt“. In Relation zu dem unendlichen Meer hat dieser Tropfen gar keinen Wert oder irgendwelche Bedeutsamkeit.
Allah ta’ala sagt: „
Wisst, dass das diesseitige Leben nur Spiel und Zerstreuung ist, Schmuck und gegenseitige Prahlerei und Wettstreit nach noch mehr Besitz und Kindern. Es ist wie das Gleichnis von Regen, dessen Pflanzenwuchs den „Kuffar“ gefällt. Hierauf trocknet er aber aus und da siehst du ihn gelb werden. Hieraus wird es zu zermalmten Zeug. Im Jenseits aber gibt es strenge Strafe und auch Vergebung von Allah und Wohlgefallen. (57:20)
Mit dem „diesseitigen Leben“ ist hier solches Handeln gemeint, welches nur das Diesseits betrifft. Handlungen der Gehorsam und unentbehrliche Notwendigkeiten, die selbstverständlich auch zum Gehorsam helfen können, sind nicht miteinbezogen in dem Tadel des Verses.
Das Bild, welches durch den Vers auf dein geistiges Auge projiziert werden soll, ist folgendes:
Der Mensch entsteht, wächst auf bis seine Kräfte blühen. Er gewinnt Vermögen und Kinder, erlangt Anerkennung und Achtung. Es sind nur Momente, dann fällt die Kurve schon wieder und sein Kopf ergraut, sein Körper erfährt Schwäche, der Gesundheit folgt Krankheit und auf den Punkt gebracht: Die Blüte des Lebens ist ins Verwelken gekommen.
Die Mufassirun haben über das Wort „al-Kuffar“ in diesem Vers zwei Auffassungen. Man sagte, hier sind die Landwirte gemeint aus dem Ausdruck „Kafara al-Habb“ was soviel bedeutet wie, dass Korn in der Erde zu verdecken. Andere waren der Meinung, dass hier mit den „Kuffar“ das Gegenteil des „Mu’min“ gemeint ist, da die Kuffar sich dem Diesseits eher hingeben als der Mu’min.
Manche erwähnten nach dem Hadith von al-Mustaurid, den ich oben bereits erwähnte, folgendes Gleichnis:
„Das Gleichnis der Menschen und ihrer Sorglosigkeit (Unachtsamkeit) ist wie das von Menschen, die sich auf einer Schiffsfahrt befinden und auf eine blühenden Insel Anker werfen um das Nötigste zu verrichten. Sie halten an und bewegen sich auf der Insel. Der Seemann warnt sie aber davor, die Abfahrt zu verpassen. Einige von ihnen eilen schleunigst zurück und ergreifen die geräumigsten Plätze. Andere bestaunen die klaren Flüsse, die wohlduftenden Blüten, die köstlichen Speisen werden aber von der Warnung des Matrosen in ihrer Erinnerung wach gerüttelt und machen schleunigst kehrt. Auch sie finden Plätze, die aber nicht, denen der ersten Gruppe ähneln. Andere konnten nicht mit leeren Händen zurückkehren, als sie den Ruf des Matrosen hörten und nahmen an Last mit, was sie nur konnten. Auch sie fanden Plätze, die aber noch enger waren als die der zweiten Gruppe und die Last ihrer Güter noch oben drauf. Eine weitere Gruppe wanderte ins Tiefe der Insel und bemerkte bei ihrer kehrt, dass das Schiff abgefahren und ihr schlechtes Los sich bewahrheitet hat. Mancher anderer hat sich in der Tiefe verirrt und andere wurden der Wildnis zum Opfer.
Das ist das Gleichnis der Menschen in ihrer Beschäftigung mit ihren Anteilen auf dieser Welt.
Es ähnelt dem Hadith von Ibn Umar, in dem der Gesandte sws. sagte: „Sei in dieser Welt wie ein Fremdling oder wie jemand, der sich auf der Reise befindet.“
Ein Fremdling, der sich an einem Ort befindet, fern von seiner Heimat, der sich danach sehnt zurückzukehren wann immer es nur möglich ist, wird sich die Fremde nicht zum Heimatort nehmen und jederzeit mit dem Aufbruch rechnen. Noch markanter ist die Lage des Reisenden, der sein Proviant noch nicht abgelegt hat. Er ist sich über den weiten Weg vor sich bewusst, und auch seiner Gefahren. Sein Gemüt ist angespannt und er findet die Ruhe nur dann, wenn er in seiner Heimat Fuß fasst. Der Reisende wie der Fremdling werden sich nicht Dingen widmen, die sie fesseln würden und ihnen ihre Rückkehr erschweren.
Kurzgefasst: Neige dich nicht zum weltlichen Leben und nimm die Welt nicht zu deiner Bleibe. Rede dir auf der Welt kein langes Leben ein und hänge mit deinen Hoffnungen nicht an Dingen, die der Reisende oder Fremdling in der Fremde nicht braucht.

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