Geringe Beschäftigung mit dem Fiqh führt zu Trugschlüssen in der Aqida

Einige Menschen gehen in Ihren Vermutungen zum Grunde, in dem Sie behaupten, dass die intensive Beschäftigung mit dem Fiqh und den damit bezogenen Disziplinen, etwas ähnliches wie die Philosophie ist, wobei es Gefahren beherbergen soll in die Irre zu gehen.

Dies ist eine äußerst substanzlose, unsachliche und verschämte Aussage gegenüber dieser Wissenschaft und den Rechtsgelehrten. Denn die Realität deckt eine andere Tatsache auf: Je geringer man im Kenntnis über den Fiqh ist, umso größer birgt die Gefahr die Themen durcheinander zu würfeln. Genau dies ist bei dem Großteil jener zu beobachten, die voreilig reden und handeln bzw. in unserem Fall schreiben und mit großer Wahrscheinlichkeit, nie etwas von den Sachverhalten und dem Themenspektrum im Fiqh erfahren, geschweige denn von seiner Existenz jemals Kenntnis genommen haben, was an sich sehr bedauernswert ist.

Die Beurteilung einer Sache ist davon abhängig, Ihre Einzelheiten zu verstehen und eine gewisse Vorstellung über sie zu haben. Interessanterweise muss in Erwägung gezogen werden, dass die verschiedenste Literatur innerhalb einer Madhhab größtenteils inhaltlich, nicht voneinander abweicht. Die Sachverhalte, welche in den früheren Werke erwähnt wurde, tauchen auch in den späteren wieder auf und oft auch in den Ergebnissen und Bewertungen. Die Madhahib haben sich nicht nur in ihrer Existenz etabliert, sondern auch in ihren Inhalten. Ihre Nachkommenschaft, hat größtenteils nur strukturiert, rekapituliert, umgeschrieben oder kommentiert. Ihre Vorzüge liegen darin, dass sie von zahlreichen, noblen Gelehrten verifiziert und weiter gegeben wurden. Dennoch findet man leider Aussagen mancher unterbelichteten, wie folgendes: „Diese klein Gruppe die diese Meinung hatten waren ashaira nur mal neben bei kann man lesen Im buch tarkatil hanabila dort werden nicht nur Muslime der hamabila genannt sondern auch solche die ihr befolgt.“ Hierbei ist es beachtenswert, dass es in der Regel keine Einzelaussagen, innerhalb der Madhahib existieren. Daher bezeugen solche Aussagen nur die Richtigkeit eines folgenden arabischen Ausspruches: „Wer außerhalb seines Fachgebietes spricht, der kommt mit den skurrilen Aussagen.“

Jemanden aus dem Islam auszuschließen, aufgrund von fest manifestierten Aussagen -was im Gegensatz zu dem Konsens der steht-, ist argwöhnisch und konträr zu der Vorgehensweise der Gelehrten. Eine unausweichliche Folge solcher Aussagen ist, dass man die Gesamtheit aller Anhänger dieser Madhahib und ihren Gelehrten an den Pranger stellt. Die Gelehrten wissen unter sich, dass die Meinungsunterschiede dieser Madhahib größtenteils auf den Ijtihad basieren und das dieser Ijtihad legitim ist Aufgrund des Fehlens von Nusus. (Um zu bewerten ob es sich z. B. um einen Nass handelt, muss man bewandert sein in den sprachlichen Regeln zur Ergründung aus Offenbarungsbelegen.)

Anhand eines anderem Beispiel möchte ich aufwerfen, wie sehr man der Gefahr ausgelaufen ist, in die Irre zu gehen, wenn man den Fiqh nicht kennt.
Wie einige meinen letzten Post gesehen haben, hatte ich zwei Fragen die Leser gestellt. Ich wollte damit die normierten Antworten der „Internetmuwahhidun-mujtahidun“ sehen. Anhand dieser Antworten lässt sich erkennen, mit welcher Naivität und auf welch dilettantischen Art und Weise, entbehrt von jeder Basisinformation nach einer normierten schwarz-weiß Weltanschauung, die Fragen ganz unabhängig und eigenständig beantwortet werden.
Würde man sich mit der „verruchten“ Fiqh beschäftigen, hätte man seiner eigenen geistlichen Gesundheit wohlgetan. Das ist aber selbstverständlich auszuschließen, da mancher Auffassung nach die intensive Auseinandersetzung mit dem Fiqh, in die Irre leitet. Es ist wie jemanden, der in seiner Heilung seine Krankheit sieht. So etwas bezeichnet man als verstörte Wahrnehmung.

Die Fragen waren folgende:
1. Was ist das Urteil einer Person, die folgende Aussage tätigt: „Wenn du das tust, dann bin ich eine Jude/Christ/Götzendiener/Kafir“, oder er sagt: „Wenn du das nicht tust, dann bin ich eine Jude …..“
2. Was ist das Urteil einer Person, die z. B. mit einer weiteren Person über eine Sache streitet z. B. über einen Honig und dann sagt: „Dann ist Honig für mich Haram“. Oder er sagt: „Was Allah Halal gemacht hat, ist für mich Haram“.

Einige haben sich dazu geäußert, wobei die Antworten größtenteils Stuss waren und jeder Spur des Wissens entbehrte, was bereits zu erwarten war. Die Ursache eines solchen Verhaltens ist, dass die meisten keinen wirklichen Zugang und noch die Befähigung zum Wissen haben. Sie besitzen eine mickrige Anzahl an Fakten oder vermeintlichen Fakten und gründen darauf ihr ganzes religiöses Konzept. Der Nachteil an der Sache ist daher einleuchtend: Wer nur ein sehr begrenztes Ausgangswissen hat, kommt auch nur zu sehr begrenzten Resultaten.

Wir wollen nun einen Schritt zum beschriebenen Sachverhalt machen. Wie in einer der Antworten bemerkt wird diese Thematik in dem Kapitel „al-Aiman“ behandelt. Es ist die Mehrzahl des Begriffes: „Yamin“ und ist gleichbedeutend mit dem Wort „al-Halif“ also Eid/Schwur.
„Al-Halif bis-Shaiy“ bedeutet einen Schwur zu leisten und die Partikeln des Schwures von einem Wort zu setzen. Das Wort wird aber auch benutzt um etwas bestimmtes von einer anderen Sache abhängig zu machen, wie z. B. in den Büchern die Überschrift „al-Halif bit-Talaq“ zitiert wird.

Daraus lässt sich schließen, dass der „Halif“ für zweierlei Dinge verwendet wird:
1. Etwas in der Vergangenheit oder Zukunft zu bestätigen.
2. Jemanden oder sich selbst zum Tun oder Unterlassen einer Sache anstacheln.
Shaykh al-Islaam – Ibn Taymiyya (rh.) sagt im Band 35. S. 308 vom Majmu‘: „Ein Eid, der ein Anstacheln (zu einer Tat) oder Abhalten (von einer Tat) beinhaltet, enthält den Sinn eines Aufforderungssatzes und eines Behauptungssatzes zugleich.“
Er meint damit den Schwur, der den Schwörenden selbst betrifft. „Denn seine Aussage: >>Ich schwöre mit dem Namen Allahs, ich werde morgen aufstehen<< beinhaltet zwei Dinge: 1. Den Willen aufzustehen. 2. Die Kunde, dass er morgen aufsteht.“ Weiter sagt er: „Wenn der Schwur aber eine reine Aufforderung (also an eine andere Person und nicht ihn selbst betrifft), dann beinhaltet der Satz lediglich eine Aufforderung (d. h. keine Behauptung), da er sagen möchte: „Ich will von dir, verlange von dir….“ Nun da wir verstanden haben, was der „Halif“ bedeutet, schauen wir was die Gelehrten zu unserem Sachverhalt sagten. Da wir gerade bei Ibn Taymiyya (rh.) sind, lassen wir uns von ihm beraten: „Die Aussage: >> Er ist Jude oder Christ wenn er so und so tut<<, oder: >>Der Alkohol ist Halal wenn er so und so tut<< beim Bedingen (dieser Dinge im Eid) war seine Absicht nicht dieser „Hukm“ (das Bestätigen von den erwähnten Dingen). Seine Absicht war vielmehr sich gerade von diesen zu enthalten.“ Um die Aussage Ibn Tayymiyyas (rh.) zu verstehen, führen wir ein Beispiel an. Sollte jemanden sagen: „Wenn ich ihn heute beschimpfe, dann bin ich eine Jude.“ Er möchte damit sagen, dass er sich von diesem Unglauben enthält und genauso will er sich vom Beschimpfen enthalten. Er schreckt sich vor dem Beschimpfen ab, in dem er sich vor der Konvertierung zu einer anderen Religion abschreckt. Weiter spricht er: „Genauso seine Aussage: >>Das Halal ist für mich Haram wenn er so und so tut<< Er möchte nicht das Halal zum Haram erklären. Sein Ziel ist die Enthaltung von dieser Tat. Die Erwähnung diese Folge auf sich zu nehmen, dient nur der Verwirklichung/Realisierung der Enthaltung.“ An einer anderen Stelle im selben Band auf Seite 325 sagt er: „>>Wenn ich so und so gemacht haben soll, dann bin ich Jude oder Christ.<< In diesem Sachverhalt haben die Gelehrten drei Aussagen: 1. Wenn es ein Meineid war, muss er Tauba machen. (Es ist also keine spezifische Kaffara nötig) 2. Er hat nichts Weiteres zu tun. 3. Er muss die Kaffara für den Schwur leisten.“ Auf Seite 334 sagt er: „In der anderen Art des Eides bezweckt er sich selbst oder jemanden von einer Tat abzuwenden oder zu ihr anzustacheln.“ Ibn Taymiyya (rh.) erläutert dies, in dem er darstellt, dass die Person mit einem solchen Schwur jemanden zum gewünschten Zustand drängen möchte. Da der unerwünschte Zustand (Jude oder Christ zu werden) unmöglich für ihn ist, soll er dem Schwur folge leisten. al-Athram sagt > Arim ibn al-Fadl berichtete uns > Mu’tamir ibn Sulayman berichtete > Mein Vater sagte > Abu Bakr ibn Abdillah erzählte mir > Abu Raf’i berichtete mir: „Meine Maulaat Layla bin al-Ajma sagte: „Alle meine Sklaven sind frei, mein ganzes Vermögen, Almosen und sie sei Jüdin oder Christin, wenn du dich nicht von deiner Frau scheiden lässt oder dich von ihr trennst. Er sagte: „Ich ging zu Zaiban ibnatu Ummi Salama –, wenn man in Medina eine belehrte Frau nannte, dann war es Zaynab-. Sie ging dann mit mir zu ihr alsdann sagte sie: „Sind im Haus Harut und Marut?“ Sie sagte: „O Zaynab, möge ich zu deinem Lösegeld gemacht werden.“ Sie sagte: „All ihre Sklaven sind frei, ihr ganzes Vermögen, Almosen und sie sei Jüdin oder Christin.“ Sie (Zaynab) sagte: „Jüdin oder Christin! Lass den Mann und die Frau zusammen.“ Ich ging dann zur Mutter der Gläubigen Hafsa…“
Sie sagte dasselbe wie Zaynab und schließlich gingen sie zu Ibn Umar ra. welcher dann zu ihr sagte: „Zaynab und die Mutter der Gläubigen gaben dir die Fatwa und du akzeptierst das nicht?!“ Schließlich sagte Ibn Umar (ra.): „Entgelte deinen Schwur und lass den Mann und seine Frau.“
Ähnliches überliefert Abdur-Razzaq in seinem Musannaf über einen anderen Weg.
Im Muntaha al-Iradat steht: „Wer sagt (im Schwur/Halif) er sei Jude, Christ, oder wird jemanden außer Allah anbeten oder frei von Allah oder dem Islam oder dem Quran…, er wird so und so tun oder wenn er so und so nicht tut… oder der Alkohol ist Halal… dann hat er etwas verbotenes getan und er muss für diesen Schwur eine Buße leisten.“
Gleiches steht im Kashaaf al-Qina‘. Wenn diese beiden Bücher im Einklang stehen, dann handelt es sich fachlich um die Auffassung, die als Madhhab bezeichnet wird.
Es ist aber nicht nur der Madhhab der Hanabila. Imam – Ibn al-Qayyim (rh.) sagt: „Es gibt einen Konsens unter den Leuten, dass wenn jemand sagt: >>wenn ich so und so tue, dann bin ich Jude<<, dass er dadurch kein Kafir wird, wenn er damit den Schwur bezweckt.“ Das durch eine solche Aussage die Sühne fällig wird, ist die Aussage Tawus, as-Sha’by, ath-Thaury, al-Auza’i, Ishaq und ähnliches wurde über Zaid ibn Thabit (möge Allah mit Ihnen allen barmherzig sein) tradiert. Hanbal überliefert, dass er Ahmad ibn Hanbal (rh.) fragte über die Aussage: „>>Ich begehe Unglauben oder Schirk (im Schwur)<<“ Er sagte: „Es ist mir lieb, dass er die Sühne leistet, wenn er seinen Schwur nicht einhält.“ Gleiches gilt für die Aussage >>Dies und jenes ist für mich Haram<<, wenn er damit den Schwur bezweckt. Allah sagt in ungefährer Bedeutung: „O Prophet! Warum verbietest du das, was Allah dir erlaubt hat, um nach der Zufriedenheit deiner Frauen zu trachten? Und Allah ist Allvergebend, Barmherzig. Wahrlich, Allah hat für euch die Lösung eurer Eide angeordnet, und Allah ist euer Beschützer; und Er ist der Allwissende, der Allweise.“ Es werden hier zwei Offenbarungs-Anlässe erwähnt. Einer davon ist, dass sich die Koptin Maria dem Propheten im Haus von Hafsa zugesellte, wobei Hafsa selbst nicht anwesend war. Als sie davon mitbekam bedrängte es sie, und der Prophet verbat sich selbst die intime Annäherung zu Maria in dem er sagte: „Sie ist mir verboten.“ Fazit: Der Fiqh ist gesund und Ignoranz ist ungesund.

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