Frage: Ist es erlaubt Fotos mit dem Handy zu machen? Und gibt es da einen Unterschied ob man Fotos von Menschen macht oder Gegenstände die keine Seele besitzen? Jazaakumu Allaahu khayran

Antwort:

Das Problem ist, dass man hier einen sprachlichen „Analogieschluss“ zur Anwendung bringt und zu dem – meiner Meinung nach – Trugschluss kommt, dass auch die Fotografie ḥarām sei, weil man das ja auch „Bild“ nennt. Alle Texte über das Bildverbot, die Flüche und die schwere Strafe würde sich auf die Fotografie beziehen und das wäre, wie die Laienhaften sagen, „offensichtlich und klar und deutlich ḥarām“. Diese Methodik ist mehr als unwissenschaftlich und außerordentlich dilettantisch.
Es wäre, als ob man sagen würde, dass Dinge mit der goldenen Farbe für die männliche Herrschaft ḥarām seien, weil es eben auch Gold genannt wird oder Kunstseide, weil sie ja Seide genannt wird. Ich lehne nicht den iǧtihād derjenigen ab, die auf das Ergebnis kommen, die Fotografie sei ḥarām, jedoch ist diese Vorgehensweise die der Nichtkundigen.

Das Wort „at-taṣwīr“ steht für das Herstellen von Skulpturen und verboten ist davon, das Herstellen von vollständigen Skulpturen beseelter Lebewesen mit Konsens der Gelehrten. Ob die Abbildung dieser Bilder durch Stickerei oder Zeichnung auf Vorhängen, Kleidung und Wänden verboten sei, ist umstritten. Ibn ʿAqīl und Ibn Taimīya sind der Ansicht, dass Bilder auf Teppichen, Kissen etc. nicht ḥarām seien, da der Prophet ﷺ sich auf ein Kissen anlehnte, auf dem Bilder abgebildet waren, wie es im Musnad von Aḥmad überliefert wird.
Selbst Skulpturen sind bei der Mehrheit der Gelehrten legitim, wenn davon entfernt wird, wovon das Leben abhängig ist; d. h., ein Kopf ohne Körper oder Körper ohne Kopf.

Die Fotografie gehört aber zu keinem dieser Beiden. Als die Fotografie erschien, gab es ihr bezüglich Unstimmigkeiten aber mittlerweile gibt es aber kaum jemanden der sie verbietet. Unter den führenden ḥanbalitischen Gelehrten zählt z. B. Ibn Badrān unter jenen, die der Auffassung waren, dass Fotografie legitim sei.
Die Fotografie könnte man vlt. mit dem Spiegelbild vergleichen. Das Spiegelbild wird eingefroren und es entsteht eine Momentaufnahme. Weder ist es verboten, in den Spiegel zu blicken, noch ins Wasser, in dem man sein gespiegeltes Bild sieht. Entsprechend ist die Fotografie keine „Nachahmung“ der Schöpfung, sondern eine Eins-zu-Eins-Wiedergabe der Schöpfung.
Paradox ist die Unterscheidung mancher zwischen Bildern und Videos, wobei doch Videos nichts anderes sind als unzählige, schnell aufeinander folgende Bilder.

Fotografie ist also erlaubt, wenn:
1. Die Bilder keine anstößigen Dinge beinhalten, wie nackt abgebildete Personen.
2. Sie nicht zur Verherrlichung und Vergötterung von Personen gedacht sind.

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