Für das Unterrichten Geld verlangen?

Man stellte mir die Frage, ob es zulässig sei für die Unterrichtung religionsbezogener Wissenschaften Gebühren zu verlangen.

Antwort:

1. Es gibt keine Unstimmigkeit unter den Fuqaha, dass man für das Unterrichten des Qurans und allen Wissenschaften – selbst wenn die Unterrichtung obligatorisch ist- „Rizq“ von der Staatskasse nehmen darf. Die Fuqaha unterscheiden nämlich zwischen dem „Rizq“ und der „Ujrah“ welche der Miete entspricht und einem „Mietvertrag“ oder einem Dienstvertrag unterliegt. Auf die Unterschiede werde ich hier aber nicht eingehen.

2. Das Unterrichten von Wissen, dessen Unterrichtung nicht verpflichtend ist, diese darf man mit einhelliger Auffassung der Gelehrten als einen Dienst anbieten, für den man auch ein Entgelt empfängt, wie alle anderen Formen der Dienstleistungen (al-isti’jaar).

3. Das Unterrichten von Wissen, dessen Unterrichtung verpflichtend ist, darin gibt es Unstimmigkeiten unter den Ahlul-Ilm ob man diese innerhalb eines Dienstvertrages unterrichten darf.

Die späteren Ahnaf – und demgemäß die Fatwa bei ihnen -, die Malikiyya, Shafi’ia (mit gewissen Einschränkungen) und die Hanabila, nach einer Aussage unter ihnen, sind der Auffassung, dass ein Dienstvertrag zur Unterrichtung des Qurans und des Fiqh etc. zulässig ist. Unteranderem wegen dem Hadith von Abu Sa’id al-Khudry bei al-Buchary: „Das Eheste wofür ihr eine Entlohnung nehmt, dass ist das Buch Allahs.“

Abdul-Jabbar ibn Umar sagte: „Jeden den ich in Medina fragte, sah keinen Einwand darin, die Knaben gegen Lohn zu unterrichten.“

Die Unterrichtung gegen Entlohnung ist ein Dienstvertrag, in dem ein bestimmter Dienst gegen einen bestimmten Lohn angeboten wird und dagegen ist nichts einzuwenden. Auch zählte der Prophet sws. den Quran als ein akzeptables Tauschmittel in der Eheschließung. Bekanntlich handelt es sich bei dem „Mahr“ um eine Gegenleistung, die auch einen gewissen Vermögenswert haben muss. Im Hadith, welcher bei Buchary und Muslim überliefert wird, darin sagte der Gesandte sws: „Geh, ich gebe sie dir zu Frau mit dem, was du aus dem Quran auswendig kennst.“

Es gibt heute keinen „Rizq (Gaben)“ oder Stiftungen wie es sie ehemals gab. Der Talabulilm und das Studium ist kein Hobbyunternehmen und bei einem emsigen Studenten erschöpft es einen Großteil seiner Zeit. Würde man dies gänzlich verbieten, würde es nur noch wenig „Produktion“ geben. Abu Talib berichtet, dass Ahmad sagte: „Das er unterrichtet ist mir lieber, als das er für diese Herrscher arbeitet oder für jemanden auf seinem Acker oder das er Anleihen nimmt.“

Nun in Bezug auf meine Person: Ich persönlich beziehe keine staatlichen Hilfen weder vom Jobcenter noch sonst etwas und somit bereichere ich mich nicht durch diese Unterrichte. Ich bezahle mein Masterstudium aus meiner eigenen Tasche – wa lillahi al-Hamd- und alles, was zum Studium gehört. Dazu habe ich auch noch eine Familie, die genährt werden muss.

An-Nasa’i sagt in seinen Sunan:

Ya’qub ibn Ibrahim sagte: Isma’il berichtet über Yahya ibn Atiq über Muhammd ibn Sirin über Abu Huraira: ‚Der Prophet sws. sagte: ‚Keiner von euch soll in ein stehendes Gewässer urinieren und anschließend daraus die Vollwaschung verrichten.‘“

Abu Abdir-Rahman an-Nasa’i sagte: Ya’qub tradierte diesen Hadith nur gegen einen Dinar.

Ein Dinar entspricht ca. 4,25g Gold.