Das Lesen des Qurāns an einem Grab ist erwünscht und wurde von den (vergangenen) Menschen praktiziert. In einem ḥadīṯ bei Abū Dawūd, an-Nasāʾī und anderen wird überliefert, dass der Gesandte Allāhs ﷺ sagte: „Lest über eure Toten die (Sūra) Yāsīn.“ Diese ḥadīṯ kann bedeuten, dass man den Qurān bei Sterbenden lesen soll oder bei bereits verstorbenen. Beide Auslegungen sind möglich.

Den soeben genannten ḥadīṯ führt Abū Dawūd in seinen Sunan an und schweigt über ihn. Bekanntlich sind die aḥādīṯ, über die Abū Dawūd schweigt, tauglich und akzeptabel, wie er in seiner Schrift an die Bewohner Mekkas schreibt: „Die Überlieferungen in meinem Buch, die sehr schwach sind, die habe ich verdeutlicht…und worüber ich schweige, das ist akzeptabel.“

Ibn ʿUmar vermachte testamentarisch, dass man nach seinem Abscheiden die al-Fātiḥa und das Ende der al-Baqara an seinem Grab lesen möge. Dies Überliefert at-Ṭabarānī.
al-Mardawī zitiert in seinem Buch al-Inṣāf, dass Aḥmad b. Ḥanbal einst der Auffassung war, das dies nicht richtig sei. Er sah einen Blinden, der an einem Grab las und verbat ihm dies.
Muḥammad b. Qudāma al-Ǧauharī sagte dann: „Abā ʿAbdillāh (Aḥmad), was sagst du über Ḥabaš al-Ḥalabī?“ Er sagte: „Vertrauenswürdig.“ Dann sagte er: „Mubaššir berichtete mir über seinen Vater, dass er ihm befahl, die al-Fātiḥa und das Ende der al-Baqara bei ihm zu lesen, wenn er begraben wurde und er sagte: ‚Ich hörte Ibn ʿUmar dies befehlen.‘ Daraufhin sagte Aḥmad: „Geh zurück und sag dem Mann er soll lesen.“ [al-Inṣāf, 2/558]

Im al-Muġnī von Ibn Qudama und ebenso im aš-Šarḥ al-Kabīr lautet es, dass es unbedenklich ist beim Grab zu lesen.

Im Šarḥ vom Muntahā lautet es:

„Der Glaube an die Grabespein ist verpflichtend. Es ist sunna (erwünscht) für den Grabbesucher Dinge zu tun, die zu Linderung (der Pein) beitragen könnten, selbst wenn er nur einen frischen Palmenstock einbohrt, wegen der Überlieferung hierin. Auch Buraida rd. vermachte testamentarisch, dass man dies tut; dies erwähnte al-Buḫārī. Auch kann es durch den ḏikr und dem Lesen (vom Qurān) beim Grab geschehen. Wenn nämlich erhofft werden kann, dass es zu einer Linderung durch das Preisen (tasbīḥ) eines Palmenstocks kommt, dann erst recht durch das Lesen. Über Ibn ʿUmar wird überliefert, dass er es mochte, wenn man an der Stelle des Kopfes des Verstorbenen die al-Fātiḥa und das Ende der al-Baqara las. Dies Überliefert al-Lālakāʾī und der allgemeine Ausdruck der Aussage: „Lest über eure Toten die (Sūra) Yāsīn“ bekräftigt dies.

Demo Unterricht