Frage:
Mein Mann droht mir mit der Scheidung und damit, dass er im Falle der Scheidung mehr Anrecht auf unser gemeinsames Kind hat (Säugling). Stimmt das?
Antwort:
Sinn und Zweck der Sorgepflicht ist das Wohl des Kindes und die Kindeserziehung durch die obsorgeverpflichtete Person. Das höchste Anrecht darauf hat die Mutter, – sofern sie dazu in der Lage ist- da es niemanden gibt der fürsorglicher und barmherziger mit dem Kind sein kann als die Mutter. Sollte die Mutter oder wer auch immer Obsorgeverpflichtung trägt, körperlich, geistig oder religiös nicht in Betracht kommen, dann geht die Obsorgeverpflichtung an eine andere Person weiter. Schwere übertragbare Krankheiten, geistige Unreife, religiöse Nachlässigkeiten sind alles Gründe für die Entziehung der Obsorgeverpflichtung.
Im ḥadīṯ von ʿAbdullāh b. ʿAmr lautet es, dass eine Frau zum Gesandten Allāhs ﷺ kam und sagte:
„O Gesandter Allahs, mein Bauch war eine Tasche für dieses Kind, meine Brust hat ihn getränkt und mein Schoß sein Schutz und nun hat mich sein Vater geschieden und will ihn mir wegnehmen.“
Der Gesandte sagte:
„Du hast mehr Anrecht auf ihn, solange du nicht heiratest.“

Das ist im Grunde eine Sache des Konsenses mit leichten Unstimmigkeiten.
Sollte der neue Ehemann aber zustimmen, dann kann die Frau das Kind behalten; nach einer Auffassung im maḍhab.
Sollte die Frau heiraten (und der neue Ehemann nicht zustimmen), dann die Oma mütterlicherseits und dann der Vater. Ich möchte hier aber nicht die ganze Reihenfolge erwähnen, da dies nicht Bestandteil der Frage war.
Außerdem geht es hier um die Reihenfolge bei Streit und Konflikten. Einigen sich die Eltern aber auf etwas, womit sie zufrieden sind, dann steht es ihnen selbstverständlich zu. Sollten sie auf keinen gemeinsamen Nenner kommen, dann hat wie bereits gesagt, die Mutter höchstes Anrecht, sofern sie die Qualität dazu hat.
Wenn das Kind sieben Jahre alt ist, dann hat es die freie Auswahl. Entscheidet es sich z. B. beim Vater zu sein, dann kann er trotzdem jederzeit seine Entscheidung ändern. Ferner darf die Mutter nicht vom Besuchen ihres Kindes abgehalten werden.
Du musst wissen, dass wir keine Exekutivgewalt sind, daher ist die Frage "ob das niemand prüft" Gegenstandslos. Wir können nur empfehlen und darauf hoffen, dass die Leute sich ihren religiösen Verpflichtungen fügen.

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