وَأَنَّ ٱلۡمَسَٰجِدَ لِلَّهِ فَلَا تَدۡعُواْ مَعَ ٱللَّهِ أَحَدٗا ١٨

18. „Und wahrlich, die Moscheen (masāǧid) sind Allāhs; so ruft niemanden neben Allāh an.“

Dieser Vers beinhaltet zwei generische, allgemeine Ausdrücke.

1. Der erste Ausdruck ist das Verb „tadʿū“. Unbestimmte Wörter, Singular oder Plural, im Kontext von Negation, Verbot oder Bedingung gehören zu den Formen der allgemeinen Ausdrücke. Dementsprechend umfassen sie alles, was auf sie zutrifft. Das Verb wird ausgelegt durch einen indeterminierten Infinitiv und somit steht es im Kontext eines Verbotes.

2. Das Wort „aḥadan“ (niemanden) da es ebenfalls ein indeterminiertes Nomen im Kontext eines Verbotes ist.

Daher beinhaltet das Verbot jegliche Formen des duʿāʾ. Das duʿāʾ wird in zwei Kategorien eingeteilt:

1. Duʿā al-ʿibāda: Dieses stellt alle Formen der gottesdienstlichen Handlungen und sämtlichen Anbetungsriten, wie das Gebet, die Niederwerfung, die Opferung von Schlachttieren, dar. Hieraus entnimmt man, dass sämtliche Anbetungsformen auch als duʿāʾ bezeichnet werden können.

2. Duʿāʾ al-masʾala: Das ist jene Form des duʿāʾ, welches gemeinhin als duʿāʾ bezeichnet wird. Diese Kategorie stellt das Erbitten und Anflehen da.

In den Texten des Korans stellen wir fest, dass der Begriff „duʿāʾ“ in diesen Variationen eingesetzt wird. Entweder alleinig für das duʿāʾ al-masʾala wie in der Aussage Allahs:

وَقَالَ رَبُّكُمُ ٱدۡعُونِيٓ أَسۡتَجِبۡ لَكُمۡۚ إِنَّ ٱلَّذِينَ يَسۡتَكۡبِرُونَ عَنۡ عِبَادَتِي سَيَدۡخُلُونَ جَهَنَّمَ دَاخِرِينَ ٦٠

60. Und euer Herr sprach: „Bittet Mich (udʿūnī) ; Ich will euch erhören. Die aber, die zu überheblich sind, um Mir zu dienen, werden unterwürfig in ǧahannam eintreten.“

In diesem Vers wird das duʿāʾ begegnet mit der Erhörung (istiǧāba) und somit handelt es sich bei dem duʿāʾ also um das Erbitten, Anflehen und Aufrufen.

Im gleichen Vers bezeichnet Allah taʿālā dieses Anflehen erneut als ʿibāda durch das Einsetzen des Infinitivs. „Die aber, die zu überheblich sind, um Mir zu dienen, werden unterwürfig in ǧahannam eintreten.“ D. h. die überheblich sind mich zu bitten und anzuflehen. Dementsprechend sagte der Prophet Muḥammadصلى الله عليه وسلم

الدعاء هو العبادة

„Das duʿāʾ ist die Anbetung selbst“.

Der Vers könnte eventuell aber auch um das duʿāʾ al-ʿibāda handeln. Hierbei würde das Wort „astaǧib“ nicht als „ich will euch erhören“, sondern als „ich will es von euch annehmen“ übersetzt werden.

Stellenweise wird das Wort für das duʾāʾ al-ʿibāda eingesetzt.

يَٰٓأَيُّهَا ٱلنَّاسُ ضُرِبَ مَثَلٞ فَٱسۡتَمِعُواْ لَهُۥٓۚ إِنَّ ٱلَّذِينَ تَدۡعُونَ مِن دُونِ ٱللَّهِ لَن يَخۡلُقُواْ ذُبَابٗا وَلَوِ ٱجۡتَمَعُواْ لَهُۥۖ وَإِن يَسۡلُبۡهُمُ ٱلذُّبَابُ شَيۡ‍ٔٗا لَّا يَسۡتَنقِذُوهُ مِنۡهُۚ ضَعُفَ ٱلطَّالِبُ وَٱلۡمَطۡلُوبُ ٧٣

73. 0 ihr Menschen, ein Gleichnis ist geprägt, so hört darauf: Gewiss, jene, die ihr an Allāhs Statt anbetet/anruft (tadʿūn), werden in keiner Weise vermögen, eine Fliege zu erschaffen, auch dann nicht, wenn sie sich dazu zusammentäten. Und wenn die Fliege ihnen etwas raubte, könnten sie es ihr nicht entreißen. Schwach ist der Bittsteller und das Gebetene.

Wenn man aber die nachkommende Regel betrachtet, kann man auch zu dem Entschluss kommen, dass beide Formen des duʿāʾ in der Realität unzertrennlich voneinander sind. Existiert das eine, folgt ihm das andere. Die Regel ist nämlich:

Das duʿāʾ al-ʿibāda hat das duʿāʾ al-masʾala zur Konsequenz und das duʿāʾ al-masʾala umfasst das duʿāʾ al-ʿibāda.

Das Wort „masāǧid“ in dem Vers: „Und wahrlich, die Moscheen (masāǧid) sind Allāhs; so ruft niemanden neben Allāh an.“ kann folgende Bedeutungen haben.

1. Die Orte, welche für die Gebete und das Gedenken an Allāh errichtet worden sind. In diesem Fall ist die Einzahl „masǧid“. Das ist die Aussage von Qatāda wie es bei ʿAbd ar-Razzāq im Tafsīr überliefert wird.

2. Damit ist die gesamte Erde gemeint, da die Erde als ein, für das Gebet, geeigneter Platz ist. Das ist die Auffassung von al-Ḥasan. Ǧābir b. ʿAbdillāh al-Anṣārī berichtete: Der Gesandte Allāhsصلى الله عليه وسلم – sagte: Mir sind fünf (Besonderheiten) gegeben worden, die keinem vor mir gegeben wurden: Jeder (der früheren) Propheten wurde nur zu seinen eigenen Leuten entsandt, während ich für die Menschheit allesamt entsandt bin. Die Kriegsbeute wurde mir erlaubt, was keinem anderen vor mir erlaubt wurde. Die Erde wurde mir sowohl angenehm und rein als auch Gebetsstätte gemacht, und wenn jemand das Gebet bei seiner Fälligkeit verrichten will, der kann es verrichten, wo er sich gerade befindet. Mein Sieg über den Feind wurde durch Schrecken gemacht, dessen Wirksamkeit der Entfernung von einer einmonatigen Reise entspricht. Und mir wurde die Fürsprache (am Jüngsten Tag) gegeben.

3. Damit sind die Gliedstellen der Niederwerfung gemeint, die den Boden bei der Niederwerfung berühren. In diesem Fall währe die Einzahl des Begriffes „masǧad“. Das ist die Auffassung von Saʿīd b. Ǧubair. Das heißt, werft euch vor niemanden anderen als Allāh auf diese Körperglieder -den Füßen, den Knien, der Hände und der Stirn, nieder.

[Aus der Erklärung zu den drei Fundamenten von Raheel Zafar (bisweilen nicht publiziert)]

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