Über die Ereignisse in Neuseeland am 17.03.2019

Es ist verständlich, dass viele Muslime empört sind und Unmut fühlen. Mich verwundert aber, dass das Ausmaß der Missbilligung und der Empörung so groß ist. Sicherlich will ich damit nicht die Finger auf die offenen Wunden legen, noch das Ereignis verharmlosen, aber es ist auffällig. Woran liegt das? Es ist doch nichts Neues, dass ein Anschlag in einer Moschee passiert. Gehört es in vielen Ländern nicht zum Alltag. Kaschmir, Afghanistan, Myanmar, Irak, Syrien, Palästina etc.

Ist es vlt. so, dass diese „Empathie“ nun nur so stark ist, weil das Geschehnis vor der eigenen „Tür“ passiert ist. Oder wurden die im westen lebenden Muslime auch nur mit der egozentrischen Weltanschauung vieler Westler angesteckt, dass die westlichen Menschen besonderer seien.
Warum wundert man sich überhaupt?

Ein arabisches Sprichwort sagt: „Wenn die Ursachen bekannt sind, gibt es nichts zu wundern.“ Wundern muss man sich nur, wenn etwas unberechenbar ist, wenn die Hintergründe und Ursachen eines Geschehens nicht erkennbar sind. Der Hass, den die westliche Welt gegen die Muslime verspürt, der manchmal nur wie die verdeckte Glut und manchmal facht aus ihr das Feuer auf:
„Schon wurde aus ihren Mündern Hass offenkundig, aber was ihre Brüste verborgen halten, ist (noch) schwerwiegender. Wir haben euch die Zeichen bereits klargemacht, wenn ihr begreifen wollt.“ [āl ʿImrān:118]

Dieser Hass ist ein Kulturerbe, dass hier weitergetragen wird. Schlafenden Zellen nennt man das glaube ich? „Hass ist wie Feuer: Nach einiger Zeit scheint es zu erlöschen, doch die Glut lässt sich auch nach langem durch ein bisschen Pusten neu entfachen!“

Es sind viele Verluste und viel Leiden, dass die Muslime über sich ergehen lassen müssen, aber jedes Übel hat eine Gegenseite und des einen Glück ist des anderes Leid. Es gibt kein 100% Übel das nur Übel erzeugt. Jedes Übel groß oder klein hat Gutes zur Folge; ob du es erkennst oder nicht. Manches Gute wurde nur durch schlechte Umstände erzeugt:
„Der Weihrauch duftet nur, wo ihn die Glut verzehrt;
leid in Geduld, o Herz, so bist du Gottes wert.“

Ich möchte euch zu diesem Anlass einige Perspektiven des Guten in den Niederlagen der Muslime zeigen; in Anlehnung auf die Schlacht von Uḥud.

Zu einem zeigen Niederlagen die Folgen der Sünden, Folgen der Zwiespalt und Zerrissenheit:
„Allāh hat ja Sein Versprechen euch gegenüber gehalten, als ihr sie mit Seiner Erlaubnis vernichtetet, bis dass ihr den Mut verlort und über die Angelegenheit miteinander strittet und euch widersetztet, nachdem Er euch gezeigt hatte, was euch lieb ist. - Unter euch gibt es manche, die das Diesseits wollen; unter euch gibt es aber auch manche, die das Jenseits wollen. - Hierauf wandte Er euch von ihnen ab, um euch zu prüfen. Nun hat Er euch wahrlich schon verziehen, denn Allah ist voll Huld gegen die Gläubigen. [āl ʿImrān:152]
Als die Gefährten die Folgen des Ungehorsams gegenüber den Propheten ﷺ kosteten, waren sie zukünftig besser vorbereitet und achtsamer.

Es unterliegt der Weisheit Allāhs und seiner Ordnung, dass die Anhänger seiner Propheten ﷺ manchmal die Ober- und gelegentlich die Unterhand haben. Würden sie dauerhaft erfolgreich, ohne Schicksalsschläge leben, dann würden sich ihnen die wirklichen Gläubigen und andere anschließen. Es würde keine Maßstäbe mehr geben um den Aufrichtigen vom Unwahrhaftigen zu trennen, doch muss die Spreu vom Weizen getrennt werden. Darum setzt Allāh taʿālā auch die Gläubigen diesen Niederlagen und Schmach aus; letzendes wird ihr Ausgang aber der Lobenswertere sein.

„Wenn euch eine Wunde zugefügt worden ist, so ist dem (ungläubigen) Volk schon eine gleiche Wunde zugefügt worden. Und diese Tage lassen Wir unter den Menschen wechseln, - damit Allah diejenigen, die glauben, kennt und (damit) Er Sich von euch Zeugen nimmt. Und Allah liebt nicht die Ungerechten.“ [āl ʿImrān:140]

„Nimmer wird Allah die Gläubigen in dem (Zustand) belassen, in dem ihr euch befindet, bis Er das Schlechte vom Guten gesondert hat. Und nimmer wird Allah euch Einblick in das Verborgene gewähren, doch Allah erwählt von Seinen Gesandten, wen Er will. So glaubt an Allah und Seine Gesandten! Und wenn ihr glaubt und gottesfürchtig seid, dann wird es für euch großartigen Lohn geben.“ [āl ʿImrān:140]

Durch die schlechten Zeiten fördert Allāh taʿālā neue Formen der Dienerschaft. Ein Diener zu sein in guten sowie schlechten Zeiten. Auf der Dienerschaft verharren beim Sieg, aber auch beim Verlust. Ein wirklich ergebener Diener ist nur der, der geradlinig bleibt, ob er durch Gärten oder Feuer laufen muss: „Und unter den Menschen gibt es manchen, der Allāh nur am Rande dient. Wenn ihn etwas Gutes trifft, ist er damit beruhigt, doch wenn ihn eine Versuchung trifft, macht er eine Kehrtwende. Er verliert das Diesseits und das Jenseits. Das ist der deutliche Verlust.“ [al-Ḥaǧǧ:11]

Es ist eine göttliche Erziehung und disziplinarische Maßnahme. Würden sie ständig nur auf der Spitze des Berges sein, überall den Sieg räumen, so wäre es eine Ursache für Überheblichkeit und Anmaßung. Allāh erzieht seine Diener durch den Wechsel von Wohlergehen und Leid.

Die Umpolung ist nur ein Anzeichen für bevorstehende Änderungen. Wenn ihnen der Kragen so zugeschnürt wird, dass sie kaum noch atmen können, dann erst kommt die Erleichterung mit ihrer ganzen Euphorie und Begeisterung. Dem Tief muss ein Hoch folgen: „Allah hat euch doch schon in Baar geholfen, als ihr verächtlich erschient. Darum fürchtet Allah, auf dass ihr dankbar sein möget! [āl ʿImrān:123]

Außerdem hat Allāh für seine Diener Stufen und Ränge vorbereitet, die nur durch bittere Umstände erreicht werden können, sonst würde sich jeder einzelne zu den Fürsten des Paradieses zählen können.

Ständiges Wohlergehen lässt die Seelen zu irdischen Wesen werden, die ihr Dasein nur noch im materiellen Diesseits sehen. Eine Krankheit, die sie vom Streben und Anstrengungen auf dem Weg zu Allāh und der wirklichen Heimstätte abhält. Enge, Bedrängnis und Leid sind oft Ursachen für das Umdenken vieler Menschen. „Unheil ist auf dem Festland und im Meer erschienen wegen dessen, was die Hände der Menschen erworben haben, damit Er sie einiges von dem kosten lässt, was sie getan haben, auf dass sie umkehren mögen. [ar-Rūm:41]

Diese Ereignisse erwecken das Bewusstsein der Muslime. Viele abgewendete Seelen fühlen sich durch die Empathie wieder integriert in die islamische Gesellschaft und erkennen die Wichtigkeit des Zusammenhalts.

Es gibt viele weitere Nutzen und positive Folgen von schlechten Ereignissen. Zuletzt möchte ich die etwas übereifrigen und erhitzten Gemüter ermahnen, keine absurden Racheaktionen in Deutschland, Österreich oder der Schweiz zu planen. Man kennt ja schließlich die Tendenzen des einen oder anderen, aber wenn man Feuer mit Feuer bekämpft, bleibt gewöhnlich nur Asche übrig.

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